CHRISTIAN SIEBELS & Co. GmbH
Transporte - Erdarbeiten - Rückbau - Baustoff Recycling - Baustofflieferung - Sand - Kies

ENTWICKLUNG unseres BETRIEBES

Niedergeschrieben von Johann Siebels
anläßlich seines 65. Geburtstages am 18. Dezember 1988

Im Jahre 1923 betrieb mein Großvater Johann Siebels mit seinen Söhnen eine Betonwaren-Produktion. In erster Linie wurden Zementdachziegel und Betonrohre hergestellt. Die Gründung dieser Firma geht auf das Jahr 1902 zurück. Ein Wissenschaftler gab in einer Zeitung unter dem Titel „Sand wird Go(e)ld“ ein Referat über die Anwendungsmöglichkeiten von „Zement“ heraus. Nach einer Rückfrage meines Großvaters erhielt er nähere Erklärungen, wonach er sich entschloss, einen Versuch zu machen, zumal er als Maurer glaubte, eine gewisse Vorbildung zu haben. Er stellte Dachziegel aus Sand und Zement her. Durch Hartnäckigkeit und Fleiß schaffte er es, dass seine große Familie (6 Söhne und 4 Töchter) allmählich davon leben konnte. Die Produktion von Dachziegeln stieg bis auf täglich 1000 Stück. 1923 entschlossen mein Vater und sein Bruder Martin sich, nachdem beide geheiratet hatten, Häuser aus Stampfbeton zu bauen. 1924 wurden 5 Häuser gebaut, 1925 noch mehr. Da für diese Bauweise viel Kiessand und Zement benötigt wurde, brauchten sie viele Fuhren dieses Materials, die aus Neermoor, Plaggenburg und Tannenhausen angefahren werden mussten. Die Folge war, dass ein Pferdegespann angeschafft werden musste, was im Jahre 1926 geschah. Gegen Jahresende trennten sich die beiden Brüder, nachdem sie sich selbst je ein Zementhaus gebaut hatten. Martin behielt den Hausbetonbau, mein Vater Christian das Pferdegespann mit Wagen. Es war die Gründung eines Fuhrbetriebs. Eine Versicherungskarte der Berufsgenossenschaft für Fuhrwesen vom 01.01.1927 befindet sich noch im Familienbesitz. Das Fuhrgeschäft jener Zeit lief mehr schlecht als recht, da nach der Inflation wenig Geld vorhanden war. Mein Großvater, damals Ortsvorsteher in Walle, wusste zu berichten, dass beim Umtausch der Gelder auf Reichsmark in Walle kein Bürger eine ganze Reichsmark an Barvermögen hatte.

Durch großen Fleiß und große Sparsamkeit meiner Eltern wurde das Geschäft allmählich erweitert. Im Jahre 1932 waren es bereits 4 Pferdegespanne. Zur besseren Ausnutzung, vor allem in den Wintermonaten, wurde eine Kohlenhandlung dazugenommen. Ganz besonders durch den Fleiß meiner Mutter - sie scheute sich nicht, einen Waggon Kohlen oder Brikett alleine zu entleeren - florierte der Kohlenhandel gut. Im Jahre 1933 wurden bereits 50 Waggonladungen umgesetzt. Die Fuhrwerke wurden für die verschiedensten Frachten eingesetzt, in erster Linie aber für Sand- und Steintransporte für den Straßen- und Wegebau. Die Motorisierung des Betriebes begann 1933. Im Frühsommer wurde ein „Lanz-Eil-Bulldog“ angeschafft. Er hatte 20 PS und fuhr 20 km/h. Dazu kamen 2 Hartgummi-Anhänger je
5 t Nutzlast. Sie hatten auf den Achsen noch Gleitlager, die oft und leicht festliefen. 1934 wurden sie durch luftbereifte Anhänger ersetzt. Es wurden jetzt auch Getreidetransporte von Bremen zu den ostfriesischen Mühlen ausgeführt. Eine Fahrt dauerte dann 24 Stunden. Wenn der Bulldog abends heimkam, konnte man bis zu 5 km Entfernung sein Kommen hören, so dass bei Ankunft der Tee bereits fertig war. 1935 kam der zweite Bulldog mit Anhängern dazu. Als Anmerkung ist festzuhalten,  dass für Transporte, für das Straßenbauamt damals noch keine Motorfahrzeuge eingesetzt werden durften. Erst als die Bundesstraße von  Victorbur bis Suurhusen gebaut wurde, für deren Sandlieferung  mein Vater bei der Verdingung in Georgsheil den Auftrag erhalten hatte, setzte er auf dem Klageweg die Lieferung mit Motorfahrzeugen durch. Im Sommer wurde dann oft in zwei Schichten gearbeitet, um die Maschinen finanzieren zu können. Als Arbeitspersonal waren damals bis zu 20 Arbeiter beschäftigt.

Der Wochenlohn eines Fahrers bei 6 Tage Arbeit betrug damals 30 Reichsmark, der Dieselkraftstoff kostete 9 Pfg/kg. 1938 wurde ein Sattelzug angeschafft. Es war ein Benziner, der Verbrauch war sehr hoch. Dieser Zug konnte bereits 20 t laden. Bei Kriegsbeginn wurden alle Fahrzeuge von der Wehrmacht einschl.  Fahrer eingezogen. Ein Bulldog wurde aber noch 1939 wieder zurückgegeben und für Ziviltransporte dienstverpflichtet.  Während des Krieges waren somit noch ein Lanz-Bulldog und ein Pferdegespann einsatzfähig. 1942 erhielt mein Vater als Entschädigung für die eingezogenen Fahrzeuge einen Mercedes-Holzgas-Lkw. Es war der erste dieser Art im Kreise Aurich. Ein Versuchsobjekt! Holz musste beschafft und getrocknet werden, Holzkohle vorrätig sein. Nicht selten musste das Pferdegespann dieses Fahrzeug morgens weit anschleppen, bevor der Motor überhaupt anlief. 1945 wurde dieses Fahrzeug durch Tiefflieger zerschossen. Mein Vater konnte sich in einem Deckungsloch retten. Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Es gab jedoch kaum Kraftstoffe, noch weniger Reifen. Vieles musste auf dem Schwarzen Markt besorgt werden. Von den Engländern erhielten wir 1947 einen alten Wehrmachts - Lkw. Mit diesem wurden Transporte für die Versorgung der Bevölkerung ausgeführt. Es wurde hauptsächlich Torf aus den Mooren, Kohlen aus dem Ruhrgebiet und Futtermittel für die Landwirtschaft gefahren. Der eigentliche Neubeginn setzte 1949 nach der Währungsreform ein. Als erstes wurde ein neuer Magirus 3,5 t mit Allrad - Antrieb gekauft. Mit ihm und Anhänger wurden täglich 5 bis 6 Fahrten Bauschutt aus Emden für Wegebauten in die umliegenden Gemeinden gefahren. Der Schutt wurde mit der Hand auf- und abgeladen.

Es dürften damals in den umliegenden Gemeinden 20 bis 25 km Wege auf diese Weise befestigt worden sein. 1950 wurde der erste Lkw-Kipper gekauft. Welch eine Erleichterung! Die Bauwirtschaft kam allmählich in Gang. Die Folge war, dass trotz größter Bedenken und Ängste, ob alles so weiterlaufen könnte, die Anschaffung eines luftbereiften Baggers. Es war übrigens der erste Bagger auf Luftreifen in Ostfriesland. Mit diesem wurde nun täglich bis zu 400 cbm Sand verladen, was damals eine enorme Leistung bedeutete. Der Betrieb wuchs kontinuierlich weiter. Es kamen weitere Fahrzeuge, Bagger und eine Planierraupe hinzu. Leider verstarb mein Vater 1968 an Herzversagen. Ich führte den Betrieb mit meiner Frau und meiner Mutter als OHG weiter. Nach dem Tode meiner Mutter im Jahre 1984 ging die Fa. in eine GmbH über. Als Gesellschafter und Geschäftsführer fungieren mein Sohn Christian und ich. Christian ist nach seiner Lehre und nach Ableistung der Bundeswehrzeit führend mit tätig geworden.